Dejagah muss sich nicht entscheiden

Ich glaube im Übrigen nicht, dass eine Teilnahme an einem Fußballspiel nachteilige Konsequenzen für irgend jemanden haben könnte - schon gar nicht für Dritte. Der Vorsitzende des Sportausschusses im Deutschen Bundestag, Peter Danckert.

Das Drama, dass sich derzeit um den Nationalspieler Dejagah abspielt, ist schlichtweg eine Frechheit. Er bezieht heftig Prügel selbstgefälligster Manier, von deutschen Politikern, vom Zentralrat der Juden und nicht zuletzt sogar von einem meiner Lieblingsblogs.

Wie fernab von Gut und Böse muss man eigentlich sein um auf diesen Mann einzudreschen? Seine Familie und Freunde leben im Iran und haben, sicher nicht nur theoretisch, übelste Repressalien zu erwarten wenn Herr Dejagah nach Israel einreisen würde. Selbst wer das bestreitet, es ist immer noch Dejagahs Recht es zu befürchten.

Diese ganzen Klugscheisser haben doch gar keine Ahnung was es bedeutet unter einem solchen Regime leben zu müssen. Diese Helden. Aber wehe jemand kommt der eigenen Familie zu nahe, und sei es nur Söhnchen und Töchterchen werden von der doofen Nachbarrin angepöbeln. Dann ist das Gezeter gross.

Dem Mann u.a. Antisemitismus vorzuwerfen ist schlichtweg geisteskrank wie ich finde. Und jeder hat immer noch das Recht, seinen Job so zu machen (oder nicht zu machen) wie er es für richtig hält.

Die TAZ, die man beim besten, verfolgungswahnverseuchtesten Willen nicht für antisemitisch halten kann, hat die Situation in ihrem Blog trefflich formuliert. Und da mir hier grade der Kragen platzt, bin ich dankbar dafür und kann diesen Artikel beenden ohne einen Herzkaspar zu riskieren.

10 Kommentare zu “Dejagah muss sich nicht entscheiden”

  1. outsider

    Geht es eigentlich auch ohne andere sofort selbstgegällig, frech, geisteskrank, klugscheißerisch usw. zu bezeichnen nur weil die anderer Meinung sind???
    Zu mehr hab ich jetzt keine Zeit. Rest kommt nachgeschoben. Und der Kragen platzt mir gerade auch! Pah!

  2. Mick

    Geht schon, aber ich vertrete hier nunmal meine Meinung. Und die ist nunmal so. Muss ich jetzt Abbitte leisten? Du nimmst Dir doch auch das Recht heraus, einen Mann, der Angst um seine Familie hat, das Recht abzusprechen Deutschland repräsentieren zu dürfen. Unter anderem das. Also.

  3. outsider

    So, jetzt ausführlicher.
    Gleich zu Deinem Titel. Dejagah muss sich nicht entscheiden. Stimmt. Er hat es nämlich bereits getan. Und zwar gegen die Interessen des Landes, in dem er lebt und welches er offiziell repräsentieren sollte. Und dementsprechend müsste jetzt das Land entscheiden, ob es sich in Zukunft von ihm repräsentieren lässt.

    Gut, da kommt das Argument, er hätte aus purer Angst um seine Familie gehandelt. Möglich. Obwohl im Moment keiner so sicher weiß, wie weit er in seiner Gesinnung hinter dieser Entscheidung steht. Fakt ist jedenfalls, dass er, wenn er wollte, dieser Absage spielend leicht die Schärfe und den Charakter eines politischen Statements hätte nehmen können, indem er sich einfach krank meldet. Und selbst, wenn man von den besten Absichten ausgeht, ist er zumindest erpressbar und gegen dieses Land ausspielbar. Ich möchte mal ganz krass formulieren: Wenn morgen seine Heimat und deren Regierung (der er sich offensichtlich beugt) von ihm verlangt, dass er seine Mannschaftskameraden oder einen Stadion in die Luft jagen soll, wer kann sagen, ob er sich dann einen Tick mehr als Iraner oder Deutscher fühlen wird? Klar kann er das so oder so tun. Aber dann ist es mir doch lieber, wenn er dabei nicht in schwarz-rot-gold gekleidet ist. Und klar, das war jetzt überspitzt, aber wer weiß…

    In der ungarischen Sprache gibt es ein Sprichwort: Mit einem Arsch kann man keine zwei Pferde reiten. That’s it. Sein Arsch gehört den Mullahs. Dazu hat er natürlich das Recht. Aber dann gehört er nicht in die Nationalmannschaft. Oder doch. In DEREN Nationalmannschaft. Und natürlich hat jeder das Recht, seinen Job so oder so oder gar nicht zu machen. Nur - und es ist nun mal so in der Welt - jeder Arbeitgeber hat ebenfalls das Recht, seinen Angestellten zu entlassen, wenn er seinen Job nicht so macht, wie es erwartet wird.

    Der von Dir zitierte taz-Artikel hat mich übrigens nicht im Geringsten überzeugt. Die ganze Argumentation ist völlig daneben. Erstens nach welchen Kriterien jemand seine Freizeit gestaltet oder sein Urlaubsziel wählt, hat absolut nichts damit zu tun, wie er sich als offizieller Repräsentant eines Landes in offizieller Mission zu verhalten hat. Und gerade der Vergleich mit den Bayern-Spielern in Teheran hinkt, denn gerade jenes Spiel zeigt, dass Sport über Politik stehen sollte und kann.

    Zum Schluss noch zu dem Ton. Es ist richtig, dass jeder seine Meinung vertreten soll so gut er kann. Diskutieren heißt aber nicht den anderen zu beschimpfen, sondern auf Argumente mit Gegenargumenten zu antworten. Und gewöhnlich erst, wenn die Argumente ausgehen, kommt man mit Schimpfwörtern. Aber soweit sind wir noch sicherlich nicht. :-)

  4. outsider

    Oh sorry, ich seh gerade, es ist ziemlich lang geworden. Aber kürzer ging es nicht.

  5. Mick

    Dies ist ein Blog. Ein Logbuch im Web. Es stellt keinen Anspruch auf Objektivität (dann würde es dieses Blog ganz sicher nicht geben) und es ist auch keine Diskussionsrunde. Es wundert mich, dass Du plötzlich so tust, als wüsstest Du das nicht. Meinen Stil musst Du nicht mögen, aber wem sag ich das?

    Zurück zum Thema: Der Mann hat die iranische Staatsbürgerschaft und eine gefährdete Familie im Iran. Zudem kann er tun und lassen was er will, er ist kein Leibeigener. Er muss sich nicht wie ein Wicht und verlogen krank schreiben lassen wenn er Befürchtungen hat. Er ist sein eigener Herr und zwar nicht nur in seiner Freizeit.

    Dejagah aufgrund seiner Entscheidung und mangels Argumenten (winke, winke) in die Nähe von Terroristen, Bombenlegern und Mördern zu stellen, ist nicht “Zitat: überspitzt, ich weiss” sondern Polemik der übelsten Sorte.

    In Deutschland repäsentieren übrigens der Bundespräsident und die Botschafter das Land. Sportler wahrlich nur sehr, sehr bedingt wenn überhaupt.

  6. outsider

    Ich weiß, was ein Blog ist, danke. Ich weiß auch, wenn in einem Blog keine Diskussionen erwünscht sind, dann schaltet man einfach die Kommentarfunktion ab.

    Argumente (winke, winke) habe ich oben genügend aufgezählt. Der Terroristenvergleich war natürlich krass, aber es war ein Gedankenspiel oder sagen wir mal MEINE Befürchtung, die gegen SEINE Befürchtung steht. Beide sind erstmal Möglichkeiten.

    In Deutschland und überall auf der Welt repräsentieren nicht nur Präsidenten und Botschafter ein Land. Sondern jeder, der offiziell in seinem Namen auftritt. Sogar ein besoffener Fußballfan, der auf seine Backe die Nationalfarben malt, steht für sein Land. Zumindest in den Köpfen der Menschen. Wenn es nicht so wäre, hätte es die Aufruhr gar nicht gegeben.

  7. Mick

    Es geht doch gar nicht darum, dass Du nicht diskutieren darfst / sollst. Es geht darum, dass ich einen Artikel schreibe, der meine Meinung ist, der subjektiv ist, der von mir aus prollig ist, der all das ist was Du willst. Natürlich kannst Du und jeder der will und auch ich in den Kommentaren dann diskutieren. Es bezog sich, wie gesagt nur auf die Artikel, die ich hier poste. Und in den Kommentaren, der Diskussion, kann ich beim Besten Willen nichts Beleidigendes meinerseits erkennen.

    Der Terroristenvergleich hat allerdings mit Meinung nichts zu tun und auch nicht mit Gedankenspiel. Es gibt Sachen, die sind einfach gemein und unverhältnismässig.

    Von mir aus kann ein Sportler für Dich auch repräsentieren. Oder prügelnde Fans. Weiss nicht wo das aufhören soll und wo es peinlich wird. Bei Sängern? Bei “ich hab die Haare schön”? Über diese Brücke gehe ich jedenfalls nicht.

    Denk zu dem Thema was Du willst und sag natürlich auch was Du willst, auch hier. Wenn ich das nicht wollte, Recht hast Du, würde ich die Kommentarfunktion abschalten.

    Wünsche Dir einen frustfreien Tag. Winke, winke.

  8. outsider

    Ebenso. :-)

  9. Welt Hertha Linke

    […] Stigmatisierungen, Populismus oder humorigen Witzen. Eine Auswahl aus der Blogosph

  10. Welt Hertha Linke

    Ashkan Dejagah und die schwierige Frage: Wie geht man mit seiner Länderspielabsage um?…

    Ich habe mich ja erst einmal zurückgehalten mit der Diskussion obiger Frage. Denn in erster Linie finde ich es wirklich kompliziert dazu Stellung zu beziehen, wenn ein iranischstämmiger deutscher Nationalspieler nicht an einem Länderspiel gegen Isra…

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