Es geht in diesem Artikel nicht um Eva Hermans Mutter / Kind / Familie Thesen. Interessiert mich nicht, tut mir nicht weh, andere Baustelle.
Es geht vielmehr darum, wie Medien erfolgreich versuchen, einen Menschen in eine schlagzeilenträchtige Ecke zu drücken, in die er nicht hinein gehört. Und es geht darum wie Film und Ton lügen können ohne überhaupt manipuliert zu sein, indem man zerstückelt, schneidet und kommentiert.
Es begann mit dem sogenannten Zitat Eva Hermans im Hamburger Abendblatt vom 07.09.2007:
In diesem Zusammenhang machte die Autorin einen Schlenker zum Dritten Reich, da sei vieles sehr schlecht gewesen, z.B. Adolf Hitler, aber einiges eben auch sehr gut, z.B. die Wertschätzung der Mutter. Die hätten die 68er abgeschafft und deshalb habe man nun den gesellschaftlichen Salat.
Was Eva Herman auf der Pressekonferenz, aus der sie “zitiert” wird, wirklich gesagt ist das:
Wir müssen den Familen Entlastung und nicht Belastung zumuten und müssen auch ‘ne Gerechtigkeit schaffen zwischen kinderlosen und kinderreichen Familien. Und wir müssen vor allem das Bild der Mutter in Deutschland auch wieder wertschätzen lernen, das leider ja mit dem Nationalsozialismus und der darauf folgenden 68er Bewegung abgeschafft wurde.
Es geht gleich weiter. Aber das ist soweit ein ganz eindeutiges Statement. Wer daraus etwas drehen will, dass Frau Herman in die Nähe von Nazis rückt, ist schlichtweg ein Lügner. Unglücklicherweise, hat sie sich aber im Folgenden unklar ausgedrückt:
Mit den 68er wurde damals praktisch alles das alles, was wir an Werten hatten, es war ‘ne grausame Zeit, es war ein völlig durchgeknallter, hochgefährlicher Politiker, der das deutsche Volk ins Verderben geführt hat, das wissen wir alle, aber es ist damals eben auch das, was gut war, und das sind Werte, das sind Kinder, das sind Mütter, das sind Familien, das ist Zusammenhalt - das wurde abgeschafft.
Aus diesen beiden Zitaten wird ihr unterstellt, sie meine, im zweiten Zitat, dass damals (nämlich im Dritten Reich) auch einiges gut war. Dabei hat sie im Satz vorher ganz klar gesagt, dass sie sich auf die Zeit VOR dem Dritten Reich bezieht. Ja es stimmt, es ist eine Formulierung in einer freien Rede, die ohne den ersten Satz katastrophal wirken könnte.
Es rechtfertigt jedoch nicht die Medienhatz, die seitdem stattfindet. Schlichtweg weil Frau Herman, so wie sich darstellt, kein Nazi ist.
In der Johannes B. Kerner Show vom 09.10.2007 ging die Hatz dann lustig weiter. Man muss die ganze Sendung, ich wiederhole, die ganze Sendung, gesehen haben um zu verstehen was ich meine. Frau Herman sagte in der Sendung:
…aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute noch darauf.
Da war die Empörung der anderen anwesenden Gäste, Senta Berger und Margarethe Schreinemakers, groß. Sie drohten später die Sendung zu verlassen, blieben aber artig sitzen. Frau Schreinemakers bekam sogar, nach eigener Aussage, Puls. RTL Exclusiv sendete tags darauf einen Beitrag, der Frau Herman in der Sendung zeigte, Stimme aus dem OFF (Herman nicht zu verstehen), Herman mit obigem Zitat, Stimme aus dem OFF (Herman nicht zu verstehen).
Die Wahrheit war aber, dass man Frau Herman in der Sendung vorwarf, sie würde den Begriff “gleichgeschaltet” gebrauchen, der ein von den Nazis geprägter Begriff sei. An dieser Stelle ein Gruß an die Elektrikerzunft. Daraufhin meinte Frau Herman, und nun kommt das ganze Zitat
Ich möchte auch nicht mehr Stellung nehmen zu weiteren Vorwürfen in diesem Zusammenhang. Denn, nochmal, wenn man; Sie müssen nur Google eingeben und da können Sie jede Zeitung durchgehen, welche Zeitung diesen Begriff bereits benutzt hat. Natürlich ist er da benutzt worden aber es sind auch Autobahnen damals gebaut worden und wir fahren heute noch darauf.
Mir selbst war dieser Begriff als “von Nazis geprägt” übrigens auch nicht geläufig und ich werde auch ganz sicher nicht anfangen Vokabeln, die ich benutze, diesbezüglich zu recherchieren. Und ganz klar, die Autobahn Erwähnung wird natürlich gleich wieder als der allseits beliebte Ausspruch “Hitler hat ja auch Gutes bewirkt, z.B. unsere Autobahnen” interpretiert. So war er aber, man kann es dem ganzen Zitat entnehmen, schlicht nicht gemeint. Und auch nicht gesagt.
Frau Herman hat sich in der Sendung mehrmals und eindeutig von dem perversen Nazi Regime distanziert. Sie informierte, dass sie gegen die DVU und die NPD, die den Medienhype derzeit auf ihren Websites für eigene Zwecke nutzen, bereits juristisch vorgehen würde. Nur tat sie Johannes B. Kerner, auch auf mehrmaliges Nachfragen hin, nicht den Gefallen, zuzugeben, dass sie die Nazizeit in Teilen verherrlicht hätte.
Alles in allem war es eine furchtbare Lehrstunde schlechten Journalismus was Herr Kerner da abgeliefert hat. Frau Herman bestach während des 52 minütigen Spießrutenlaufs durch Ruhe, Sachlichkeit und Beherrschung. Und - durch eine Naivität, die man sich den Medien gegenüber offensichtlich nicht erlauben darf.
Die Sendung, derzeit noch auf ZDF zu sehen
Welt online mit mehreren hundert Leserkommentaren
Die größte Antifa Show des öffentlich rechtlichen Fernsehens in letzter Zeit. Ich hätte von JB Kerner mehr Sachlichkeit erwartet. Diese peinliche Vorstellung hat mich an eine Hexentribunal erinnert, eines ernstzunehmenden TV-Moderators unwürdig. Die Argumentation gegen Frau Hermann war jedenfalls schlichtweg auf BILD-Niveau und gehört eigentlich nicht ins öffentlich-rechtliche Fernsehen. Und dann noch die lächerlichen Kommentare von unterbelichteten B-Promis wie Frau Schreinemakers.
Quelle: Gulli Bord, Politik und Gesellschaft
Nachtrag:
RTL Explosiv legt neuerlich nach und zitiert Eva Hermann abermals auf eine unerträgliche Art. Das Autobahnzitat ohne Satzanfang und Zusammenhang. OFF, …aber es sind auch Autobahnen gebaut worden und wir fahren heute noch darauf…, OFF. Nicht nur, dass Frau Hermann denunziert wird, verarscht werden durch solche Art der Berichterstattung letztlich wir. Wenn wir es denn gucken.